Dass ein Virus das öffentliche und soziale Leben binnen kürzester Zeit lahmlegen würde, konnten sich noch vor ein paar Monaten wahrscheinlich die wenigsten vorstellen. Doch plötzlich war die gesamte Gesellschaft mit eben dieser Situation konfrontiert. Von heute auf morgen wurden Veranstaltungen abgesagt, Sportstätten geschlossen, häusliche Isolation angeordnet. Und: Es wurden alle Schulen geschlossen.

Die Schülermitverantwortung (SMV) der Friedrich-List-Schule Ulm wollte in dieser Zeit nicht tatenlos zusehen und wurde von den heimischen Schreibtischen aus tätig. „In der jetzigen Zeit ist es zum Glück möglich, Projekte auch über Videokonferenzen zu organisieren“, sagte Rüya Kahraman, die 18-jährige Schülersprecherin der Friedrich-List-Schule. Zusammen mit den Verbindungslehrern Christine Maier, Christian Preisler und Hannes Grimm hat sich die SMV – digital – zusammengesetzt und beschlossen, 1.500 Euro in Form von Büchern zu spenden.

Jener Betrag stammte von dem „Blutspendetag“, den die SMV Anfang März und somit auch in der Coronazeit an ihrer Schule durchgeführt hatte. „Als Teil einer Kaufmännischen Schule liegt es uns ganz besonders am Herzen, einen kleinen positiven Beitrag in dieser schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Situation zu leisten“, betonte Johanna Lovas, die 18-jährige Schulartensprecherin des dreijährigen Wirtschaftsgymnasiums. Iremgül Aksoy, 16, ergänzte: „Dabei war es uns wichtig, die zentralen Bereiche Jugend, Bildung, Wirtschaft und Regionalität gleichermaßen zu berücksichtigen.“

In einer Zeit ohne regelmäßigen Schulalltag habe die SMV zum einen Bildung und Freude ermöglichen wollen, zum anderen sollte dieses Projekt zeitgleich den lokalen Buchhändlern AEGIS, JASTRAM und KERLER in Ulm helfen, die durch die aktuelle Krise betroffen waren, berichtete Asli Sahin, 17, Schulartensprecherin der Berufsfachschule.

So ist das Spendenprojekt „FLS, aber bitte mit Buch!“ entstanden. Die Buchhandlung AEGIS hatte keine Mühen gescheut und elf lesenswerte Geheimtipps zusammengetragen, damit den Schülerinnen und Schülern der Ulmer Schulen tolle Romane und Jugendromane zur Auswahl standen. „Wir wollen den Schülerinnen und Schülern aller Ulmer Schulen etwas Gutes tun und zeitgleich lokale Buchhandlungen in Ulm unterstützen“, bestärkte die stellvertretende Schülersprecherin Joy Beck, 16, den Grundgedanken der SMV.

Das Gewinnspiel wurde über die sozialen Medien Facebook, Instagram und WhatsApp kräftig „geteased“, einige Schülerinnen der SMV haben sogar einen Werbespot gedreht, um die Werbetrommel zu rühren. Über die verschiedenen Medienkanäle wurden außerdem alle relevanten Informationen zur Teilnahme am Gewinnspiel verbreitet, sodass alle Ulmer Schülerinnen und Schüler ab 13 Jahren eine Chance auf ein Buch hatten.

Das ganze Team hatte sehr viel Herzblut in ihr Projekt gesteckt, doch die Mühe hatte sich gelohnt: Innerhalb weniger Minuten hatten sich unglaublich viele Ulmer Schülerinnen und Schüler voller Hoffnung auf ein Buch gemeldet, einige Tage später konnten sie ihr gratis Wunschbuch in einer der drei Buchhandlungen abholen.