FRIEDRICH - LIST - SCHULE ULM

NUGI

Bei NUGI (Netzwerk Universität-Gymnasium-Industrie) handelt es sich um ein Programm des Kultusministeriums zur „Förderung besonders befähigter Schülerinnen und Schüler“ an Gymnasien in Zusammenarbeit mit Universitäten und Industriebetrieben.

In einer zweistündigen AG beschäftigen sich 10 Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 des Wirtschaftsgymnasiums in Theorie und Praxis mit Mikrobiologie und Biotechnologie.

Die Biotechnologie wird einerseits von Menschen seit Jahrtausenden genutzt, um mit Hilfe von Mikroorganismen Lebensmittel

(Brot, Bier, Wein, Joghurt, usw.) herzustellen. Andererseits gilt sie durch die Entwicklung neuer Methoden und Techniken (PCR, DNA-Fingerprint, Gentechnik, usw.) als Technologie des 21. Jahrhunderts.
Sie spielt also am Industrie- und Wissenschaftsstandort Deutschland eine bedeutende Rolle.

Im Kurs werden beide Aspekte der Biotechnologie behandelt:

  1. Die klassische Biotechnologie mit Versuchen zur alkoholischen Gärung und Milchsäuregärung
  2. Die moderne Biotechnologie mit Mikrobiologie, PCR (Polymerasekettenreaktion), DNA-Fingerprinting und ELISA (Antikörpernachweis)

Zur Durchführung des Kurses steht in der Friedrich-List-Schule ein S1-Labor mit optimaler Geräteausstattung zur Verfügung.

Wichtige Zielsetzungen der NUGI-Guppe sind

  1. Einsicht in die Bedeutung von Mikroorganismen in Natur und Technik
  2. Praktische Anwendung biotechnologischer Techniken
  3. Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens
  4. Teamwork in Kleingruppen
  5. Erkenntnisgewinn durch Auswertung der Versuchsergebnisse und Fehleranalyse misslungener Experimente.
  6. Kennenlernen der wirtschaftlichen Nutzung biotechnologischer Verfahren durch Betriebsbesichtigungen.

Die inhaltliche Umsetzung dieser Ziele umfasst folgende Schritte:

  1. Anfärben und Mikroskopieren von Mikroorganismen mit Ölimmersion
  2. Kennenlernen mikrobiologischer Stoffwechselprozesse durch Herstellung von Joghurt und Alkohol unter verschiedenen Versuchsbedingungen.
  3. Herstellung von Nährböden und Anlegen von Bakterienkulturen
  4. GRAM-Schnelltest
  5. DNA-Isolierung
  6. Durchführung einer PCR mit dem Thermo-Cycler und eines DNA-Fingerprints durch Gelelektrophorese
  7. Durchführung eines ELISA-Tests zum Nachweis von Antikörpern

Exkursion von „Varionostic“

Es ist Freitag, der 2. Juli 2010, ein schwülheißer Nachmittag.
Im Rahmen der Biologie-AG – NUGI – unternehmen wir, 9 Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums, mit unserem Kursleiter, Herrn Lechner, eine Exkursion in die Ulmer Weststadt.

Unser Ziel ist die Firma „Varionostic“- der Name klingt nüchtern und doch geheimnisvoll: eine Synthese aus Variation und Diagnostik.

An der Rezeption des ehemaligen „AEG-Telefunken“-Gebäudes empfängt uns der Geschäftsführer Herr Gerstenmaier. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium studierte er Chemie und gründete nach ein paar Jahren an der Uni Ulm ein kleines aber feines DNA-Analyselabor: „Varionostic“.

Ausgestattet mit modernsten DNA-Sequenzern analysieren fünf Chemiker, Biologinnen und medizinisch-technische Assistentinnen Erbgut aus menschlichem Tumorgewebe. Dabei wird die DNA nicht nur auf die Base genau sequenziert, sondern es werden auch so genannte Methylierungsmuster der DNA erfasst.

So lässt sich erkennen, welche Gene im Tumor mutiert oder „abgeschaltet“ sind. Anhand dieser Daten kann dann zum Beispiel abgeleitet werden, welche Medikamente wirken und welche nicht. Das ist Bio-Hightech!

All dies erklärt uns Herr Gerstenmaier und seine Kollegin, Frau Dr. Müller, sehr anschaulich und ausführlich. Viele Biologie-Kenntnisse aus der 11. Klasse kommen uns jetzt zugute. Auch erkennen wir einige Geräte wieder, mit denen wir im Schullabor gearbeitet haben.

Als Highlight führt Frau Dr. Müller die DNA-Analyse eines Darmtumors mit dem Pyrosequenzer durch, während Herr Gerstenmaier die einzelnen Arbeitsschritte erklärt und das Ergebnis interpretiert.

Beeindruckend! Hier beginnt die Zukunft.

   

FLS auf der Biotechnica in Hannover
Südwest-Presse am 30.10.08

Unter der Überschrift: „NUGI-Projekt“ berichtete die Südwest-Presse am 30.10.08:

„…Vor kurzem haben fünf Schüler aus der Region eine besondere Dienstreise nach Hannover absolviert. Dort fanden die große Biotechnologiemesse „Biotechnica“ und das vom Bundesforschungsministerium initiierte „Biotech4U“ statt. Im Rahmen der Parallelveranstaltung haben die Abiturienten Anita Reiser, Jana Krammer, Melanie Erzler und Lars Langguth vom Bertha-von-Suttner-Gymnasium aus Pfuhl sowie Christoph Rauth von der Friedrich-List-Schule Ulm – unterstützt vom List-Biolehrer Karl-Eugen Harder und Doktorand Andreas Hiergeist von der Uni Ulm – drei Tage lang ein Praktikum für Schüler angeleitet. Dabei ging es um die Stromgewinnung aus dem Stoffwechsel von Joghurtbakterien. Bereits im Frühjahr hatten die Ulmer Nachwuchs-Wissenschaftler auf der internationalen Konferenz der deutschen mikrobiologischen Gesellschaft eine ähnliche Veranstaltung geleitet.“

Wenn Sie noch mehr über die Biotechnica, Biotech4U oder NUGI erfahren möchten, dann klicken Sie bitte den Artikel der Neu-Ulmer Zeitung vom 30.10.2008 an.

  

Durch Betriebsbesichtigungen wird die wirtschaftliche Dimension der Biotechnologie vermittelt:

Milchwerke Schwaben, Brauerei „Gold Ochsen“, Klärwerk Ulm/Neu-Ulm,
Universität Ulm (Abt. Mikrobiologie/ Biotechnologie), DRK Blutspendezentrale Ulm, Humangenetiklabor „Genetikum“, DNA-Analyselabor „Varionostic“.

Abschließend erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das ihre Kursteilnahme und die absolvierten Kursinhalte dokumentiert.

Gerald Lechner (Kursleiter)